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Mann-Über-Bord – eine ständige Herausforderung in der Seeschifffahrt
„Person über Bord“ (POB) Unfälle gehen sehr häufig einher mit besonders ungünstigen äußeren Bedingungen wie Starkwind, schwersichtigem Wetter und hohem Seegang mit den unter diesen Bedingungen vorherrschenden großen Schiffsbewegungen. Besonders erschwerend kommt hinzu, dass derartige Unfälle oftmals zu spät bemerkt werden. Das Aussetzen von Rettungsmannschaften ist hierdurch nicht mehr möglich oder nicht erfolgreich.
Die Überlebenschancen eines über Bord Gegangenen verringern sich exponentiell mit sinkender Wassertemperatur. Der physiologische Effekt der Hypothermie tritt sehr schnell ein. Bei Wassertemperaturen von 0 bis 4°C liegt die zulässige Zeitspanne für erfolgreiches Handeln nur noch im Minutenbereich. Verletzungen, Bewusstlosigkeit oder Traumatisierung verhindern zusätzlich, dass ein über Bord Gegangener in der Lage ist, komplexere Handlungen wie z. B. die Betätigung eines Notfall Senders oder ähnliches aktiv auszuführen.
Bei der Rettung von Verunfallten aus dem Wasser sind drei Aspekte wichtig zu beachten:
- die medizinisch-physiologischen Bedingungen,
- die technischen Aspekte der Rettungsaktion und
- die Fähigkeit und Ausbildung der Besatzung, die notwendigen Manöver durchzuführen.
Ein Rettungssystem für die „Autonome Galileo-gestützte Personenrettung auf See“ – AGAPAS
Das Ziel des vom BMWi geförderten Verbundforschungsvorhabens ist die Entwicklung eines sich selbst aktivierenden Rettungssystems, das auf See über Bord gegangene Personen selbständig auffindet und deren Bergung durchführt. Dieses Roboter-System soll den gesamten „Search and Rescue“-Prozess (SAR) lückenlos unterstützen und somit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit in der Seeschifffahrt leisten. Es wird damit die Möglichkeit geschaffen, weitgehend wetterunabhängig mit einer bisher nicht gegebenen Sicherheit bei gleichzeitiger Minimierung der Gefährdung der Rettungskräfte Menschen aus Seenot zu retten.
Das Rettungssystem wird durch folgende Eigenschaften charakterisiert, wobei das im Aufbau befindliche GALILEO Satelliten-Navigations-System die hierfür grundlegenden Voraussetzungen schafft. Speziell für maritime Anwendungsentwicklungen entsteht im Rostocker Hafen mit SEA GATE eine entsprechende Test- und Entwicklungsumgebung.
- Die selbsttätige Aktivierung des Rettungsprozesses sofort nach dem Über-Bord-Gehen einer an Bord befindlichen Person,
- die genaue und kontinuierliche Erfassung der Position des Verunfallten, des automatisiert zu Wasser gelassenen Rettungsroboters sowie des Schiffes in Echtzeit,
- das autonome Auffinden und Bergen der „Über-Bord-Gegangenen“ Person durch den Rettungsroboter ,
- die Organisation des gesamten SAR–Prozesses einschließlich der Integration in das Schiffsführungssystem.
Die SAR-Prozesskette wird vollständig unterstützt
Die Funktionsweise des Rettungssystems bildet die SAR-Prozesskette lückenlos ab und ist durch folgende Komponenten gekennzeichnet:
- Eine fortlaufende Überwachung aller Systemkomponenten mit Hilfe einer SAR-Steuerstation auf der Brücke stellt den jederzeitigen Einsatz sicher.
- Geht eine Person über Bord, wird automatisch Alarm ausgelöst. Die zum Einsatz kommenden Rettungswesten enthalten Sende- und Empfangseinheiten für Positionssignale des GALILEO-Satelliten-Navigationssystems, die an die SAR-Steuerstation des Schiffes gesendet werden.
- Über die SAR-Steuerstation wird der Rettungsroboter aktiviert. Der automatisch ausgesetzte Rettungsroboter wird ständig mit den über GALILEO zur Verfügung stehenden Daten der verunfallten Person versorgt und findet diese autonom.
- Ab einer minimalen Distanz zur verunfallten Person wird der Rettungsroboter auf Basis von Telemetriedaten in eine Bergungsposition ferngesteuert, um den Verunfallten aufnehmen zu können.
- Der Rettungsroboter und das Schiff manövrieren zueinander, hierbei steht eine ständige Funkverbindung für die am SAR-Prozess beteiligten Seeleute zur Verfügung: sowohl die Position des Schiffes als auch des Rettungsroboters dienen der Navigation der beiden Systeme.
- In einem abschließenden Manöver werden die verunfallte Person und der Roboter über die Aussetz- und Einholvorrichtung des Schiffes aufgenommen.
Interdisziplinäre Forschung im Verbund
Die Entwicklung eines Rettungsroboters für die autonome Rettung von Über-Bord-Gegangenen erfordert eine hochgradig interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten auf den Gebieten der Systementwicklung, der Nachrichten- und Automatisierungstechnik, des Schiffsbetriebes, der Leistungsmedizin, der Hydrodynamik von Fahrzeugen im Seegang sowie der schiffstechnischen Entwicklung. CeMarIS bietet hierfür im Verbund mit den beteiligten Projektpartnern eine hervorragende Basis.
Projektdaten
Projekt Laufzeit: 01.07.2008 - 30.06.2011
Fördersumme: 954.525 Euro
Gefördert durch das BMWi
Web: www.cemaris.de
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Der automatisierte, GALILEO unterstützte AGAPAS SAR Rettungsprozess




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